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STORY: Birkhahnbalz in Schweden

Die Balz der kleinen Ritter – wenn der Birkhahn in der Arena kämpft

Ein Bericht mit Text und Fotos von Ingo Gerlach

Drei Uhr dreißig am frühen Morgen, noch tiefste Nacht, steht der deutsche Wildlifefotograf Ingo Gerlach vor der Tür seiner Unterkunft und saugt die eiskalte Nachtluft tief ein. Heute könnte für ihn die Balz der kleinen Ritter, so wird das Birkwild oft genannt, zu guten Bildern führen. Der Sternenhimmel war klar hier im Hamra Nationalpark in Mittelschweden.

Die dünne Schneedecke war tief gefroren, das Thermometer zeigte 12 Grad minus. Mit Schaudern dachte Gerlach in diesem Moment an die bevorstehenden Stunden im Tarnzelt. Aber zunächst brachte ihn ein Freund mit seinem kettenbetriebenen Quad über das gefrorene Moor in zum einige Kilometer entfernten Tarnzelt. Im Licht der Taschenlampe galt es nun den Fotorucksack, die Zweit-Kamera, das stabile Stativ und den Daunenschlafsack im Zelt zu verstauen. Schnell hatte sich Gerlach in seinen Schlafsack gezwängt, der ausreichend Schutz vor Kälte in den nächsten Stunden versprach. Stativ aufbauen, Kamera mit langem Teleobjektiv einjustieren und zunächst mal auf dem eher unbequemen Hocker eingerichtet. Mittlerweile war es 4 Uhr morgens und noch immmer stockfinster. Nur der Sternenhimmel beleuchtete leicht den Balzplatz der sich in rund dreißig Metern vor dem Tarnzelt befand.

Gerlach war auf seinem Hocker schon fast eingedöst, als ihn ein zischen und kullern hellwach machte. Die ersten Birkhähne waren auf dem Balzplatz eingeflogen. Man konnte die hühnergroßen Vögel zunächst nur erahnen. Durch sein Fernglas konnte Gerlach feststellen, das insgesamt acht Hähne eingeflogen waren.

Sofort besetzten jeweils zwei Hähne ein imaginäres Feld, welches diese mit eher harmlosen Geplänkel zu verteidigen versuchten. Die Hähne sprangen sich dabei immer wieder leicht an und versuchten dem Gegner gegen die Brust zu hacken und wenn möglich ein paar Federn auszureißen. Diese Situationen sind die sogenannten Standardsituationen des Balzrituals. Das Birkwild gehört zu den Rauhfusshühnern und lebt hier in Mittelschweden weitgehend unbeeinträchtigt von menschlichen Einflüssen. Der Lebensraum für diese scheuen Tiere ist in dieser Region Skandinaviens kaum gefährdet.

Wer mehr über diese interessante Vogelart erfahren will, dem empfiehlt sich ein Blick in Wikipedia.

Zurück zum Balzplatz mit den acht Hähnen und dem einsamen Fotografen. Ingo Gerlach wartete gespannt auf den Sonnenaufgang, der sich so langsam mit einem rotglühenden Licht ankündigte, aber den Balzplatz noch nicht ganz erreichte.

Die Uhr zeigte 5.56 Uhr als die ersten Sonnenstrahlen den Balzplatz berührten. Ein traumhaftes Licht erfasste dieses Naturschauspiel. Und die Hähne wurden urplötzlich wesentlich aktiver. Der Geräuschpegel schwoll an und die Balzbewegungen wurden intensiver. Aus dem Tarnzelt hörte man das Klacken der Kamera. Die Hähne störten sich nicht daran. Für Gerlach galt es nun den Sucher seiner Kamera eisfrei, bedingt durch seinen Atem, zu halten. Ständig beschlug das Sucherokular und der Fotograf musste mit einem Tuch für freie Sicht sorgen. Erschwerend kam hinzu, dass die Hähne ständig hochsprangen um den Gegner zu attackieren. Für den erfahrenen Wildlifefotografen immer wieder eine Herausforderung die richtige Schärfe zu finden und vor allen Dingen auch die Schärfe zu halten.

Das Licht war jetzt optimal. Die Birkhähne balzen um die Wette, aber das waren immer noch Standardsituationen. Nichts Besonderes für den Fotografen der hier im Hamra-Nationalpark schon x-mal das Birkwild fotografierte. Bis urplötzlich ein Trupp Birkhennen einflog. Dieses plötzliche Eintreffen der Birkwildladys machte die Jungs derart verrückt, das diese wie von der Tarantel gestochen über den Balzplatz liefen, hochsprangen, laut krähten, hochflogen, wild mit den Flügeln arbeiteten. Alles nur um die Damenwelt zu beeindrucken. Diese waren jedoch in keinerlei Balzlaune. Eher gelangweilt schauten sich die Damen die Bemühungen der balztollen Hähne an. Insgesamt dauerte dieses wundervolle Naturschauspiel rund dreißig Minuten. In dieser Zeit gelangen dem Wildlifefotografen Ingo Gerlach wundervolle und interessante Bilder von der Balz der kleinen Ritter. Gegen 9.00 Uhr, die Sonne stand schon recht hoch, verließ Gerlach sein kaltes Versteck.

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